Mein erster Rakubrand

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Die Ursprünge dieser ungewöhnlichen Keramikherstellung sind vor fast 500 Jahren in der traditionellen japanischen Teezeremonie begründet. Einen wichtigen Bestandteil dieser Zeremonie stellen aus der Hand gearbeitete Teeschalen dar, welche nach einem besonderen Brennverfahren ein charakteristisches individuelles „Muster“ aufweisen. In den Teeschalen sind die geistigen Hauptelemente der Teezeremonie - Reinheit, Harmonie, Ehrfurcht und Stille - versinnbildlicht. Ein leiser dumpfer Klang der Schalen, hervorgebracht durch den niedrig gebrannten und glasierten Ton, wird erstmalig vom japanischen Kaiserhof mit einem Gütesiegel „Raku“, das in der Übersetzung „Freude“ bedeutet, ausgezeichnet.

Die effektvolle Wirkung der Oberfläche und die Herstellungstechnik sind gleichermaßen außergewöhnlich: Im Gegensatz zu anderen keramischen Erzeugnissen wird beim Glasurbrand das Werkstück mit der glühenden Glasurschmelze aus dem über 1000 Grad heißen Ofen genommen. Der extreme Temperaturabfall verursacht ein Aufspringen der Glasur in ein charakteristisches Gitternetz, dem so genannten Craquele. Anschließend wird das Werkstück bis zum Erkalten in ein Behältnis mit Holzspänen, die Feuer fangen, gelegt. Durch Abdecken entsteht zunächst eine reduzierende Atmosphräre, die eine Farbumwandlung des zumeist weißen keramischen Grundmaterials verursacht. Alle nicht mit Glasur benetzten Partien zeigen nach dem Erkalten eine schwarz-graue dauerhafte Schicht. Erst durch diesen Prozess wird das Glasurcraquele sichtbar. Da dieser Prozess stets unterschiedlichen Einflüssen unterliegt, ist nie ein Stück mit einem anderen identisch. und Farbgebung lassen genügend Spielraum und Inspiration für Weiterentwicklungen zu.

Die Objekte wurden zunächst aus speziellem Raku-Steinzeugton gefertigt und bei ca. 900° C geschrüht.  

Die glasierten Objekte habe ich dann im Elektrobrennofen gebrannt und entgegen dem herkömmlichen Brennverfahren  die rotglühenden Teile einzeln mit einer langen Zange bei Temperaturen um 1000 °C dem Ofen entnommen und in einem Behälter mit Sägespänen eingebettet - wegen der starken Rauchentwicklung im Freien.

Die Stücke werden durch den extremen thermischen Schock besonders belastet und können im Ofen auch explodieren. Eine sorgfältige Verarbeitung ist daher unerlässlich. Tonmassen mit einem größeren Quartz- oderSchamotteanteil tragen dazu bei, die Masse mechanisch stabil zu halten und senken auch den Temperaturausdehnungskoeffizienten, um die Wirkung des Temperaturschocks  zu vermindern.

Raku-Keramik ist relativ dickwandig, damit sie bei dem Wechsel vom Ofen zum Behälter nicht zu viel Hitze verliert.  Durch die stark reduzierende Atmosphäre wird der noch weichen Glasur Sauerstoff entzogen und Kohlenstoff (schwarz) dringt durch Haarrisse (Craquele) und lagert sich im Tonscherben ein. Dieser chemische Prozess wird durch Eintauchen in ein Wasserbad gestoppt.

Der Brennverlauf lässt sich beim Raku nur sehr bedingt steuern - Rakubrand ist berüchtigt für seine Unberechenbarkeit - so dass jedes Stück ein unnachahmliches Unikat ist.

Monika van Son

bm-keramik

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